MSV macht Schlagzeilen

2008

Jedes Kind verdient eine Chance“ (http://www.swb.bonn.de)


Der Marokkanische Sportverein Bonn will die Jugendlichen im Tannenbusch „von der Straße holen“. A-Jugend trägt stolz die neuen SWB-Trikots

Wie nur wenige andere Fußballclubs in Bonn und der Region hat sich der Marokkanische Sportverein (MSV) die Integration benachteiligter Jugendlicher auf die Fahnen geschrieben. Der MSV Bonn ist in Tannenbusch beheimatet – und damit in einem klassischen Problemviertel, sagt MSV-Jugendwart Oualid Hamza. Deshalb gerät das SWB-Gespräch über die zu portraitierende A-Jugend-Mannschaft zu einem grundsätzlichen Dialog über schwierige Startbedingungen für Jugendliche im Tannenbusch, überforderte Eltern und einen finanziell nicht auf Rosen gebetteten Verein, der Hilfe zur Selbsthilfe geben möchte.

A-Jugend-Trainer Abdel Harmach ist einer der Ehrenamtlichen, die sich in ihrer Freizeit für den MSV einsetzen: „Was wir vorhaben, ist die Jungs von der Straße zu holen. Wir wollen ihnen helfen und ihnen eine Perspektive geben.“ Wenn sie Probleme haben, wollen Harmach und sein Betreuerkollege Raschid Chamlali ihren Schützlingen unter die Arme greifen, zum Beispiel bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Zudem gehe es darum, den talentierten Fußballern aus dem Tannenbusch jene Tugenden beizubringen, die sie im Elternhaus nicht lernten. „Es geht darum“, so Harmach, „den Jungen Respekt beizubringen.“

Trainer Harmach und Jugendleiter Hamza sind der Jury von SWB Energie und Wasser und General-Anzeiger sehr dankbar, dass sie die A-Jugend-Trikots bekommen haben. „Wir sind für jede Unterstützung dankbar“, sagt Hamza. Das größte Problem im Jugendbereich sei nun mal die Ausstattung. Die A-Jugend etwa hatte vor der Auswahl durch die Jury überhaupt keine Trikots. Die C-Jugend spielt im neuen Dress nur dank „Reiner’s Fahrschule“ aus Tannenbusch.

Harmach sagt: „Wir entlasten vor allem die Eltern. Die kommen nicht mit ihren Kindern klar und haben auch kein Geld, uns zu unterstützen.“ Und Hamza ergänzt: „Manchmal hat man Familien, bei denen am Ende des Monats nichts übrig bleibt.“ Wenn Mitgliederbeiträge ausbleiben, seien die Ehrenamtlichen umso mehr gefordert, sagt Harmach. „Es gibt Trainer, die häufig in die eigene Tasche greifen.“ Sie bezahlen Schiedsrichtergeld, Getränke für die Halbzeitpause und Benzingeld. Laut Hamza bemühe sich der MSV Bonn derzeit bei der Stadt darum, einen ausrangierten Bus zu bekommen, um die Jugendlichen gemeinsam zu den Auswärtsspielen zu bringen.

Neuen Zulauf erhofft sich der Jugendwart durch den neuen Kunstrasenplatz, der am heutigen 7. Mai offiziell eröffnet werden soll. Der Verein plane, eine D-, eine E- und eine F-Jugend einzurichten. „Eine B-Jugend ist schon vorhanden, die wird zur neuen Saison auf jeden Fall gemeldet.“

Wenn Hamza darauf angesprochen wird, warum viele Jugendliche im Tannenbusch nur Unsinn im Kopf hätten, reagiert der Jugendwart ungehalten. „Dann sage ich: Gib mir was, damit ich die Jungs von der Straße holen kann.“ Von nur 50 Euro könne der Verein schon fünf Bälle kaufen – und fünf Jugendliche beim Training beschäftigen. Hamza betrachtet den MSV als zusätzliche Anlaufstelle für die Jugendlichen, als Sozialstation und eine Art sportliche Erziehungseinrichtung. „Wenn sich von zehn Kindern später acht oder neun in die Gesellschaft eingliedern, dann kann ich behaupten: Ich war erfolgreich.“

Hamza hofft natürlich, dass die Stadtwerke den MSV bei der nächsten Runde von „Immer am Ball“ erneut berücksichtigen. Denn eine weitergehende Unterstützung wäre für ihn gleichbedeutend mit der Ausstattung eines weiteren Teams. „Zum Beispiel der B-Jugend.“

Fragt man Hamza, warum er sich für den MSV einsetzt, sagt er: „Jedes Kind verdient eine Chance.“ Gerade wenn die Ausgangsbedingungen schwieriger seien als anderswo, müsse die Gemeinschaft helfen. Für ihn käme es jedenfalls nicht in Frage, sich einen anderen Verein in einem anderen Viertel zu suchen, das bessere Voraussetzungen böte. „Das wäre so, als wenn ich ein Lehrer wäre, der ein Kind in der Klasse hat, das schwer von Begriff ist, und ich würde ihm sagen: Wir alle gehen weiter, und du bleibst sitzen.“

 

Neuer Kunstrasenplatz in Tannenbusch (www.cdu-tannenbusch.de)
10. Mai 2008

Kunst
Der stellvertretende Bezirksvorsteher Karl Wilhelm Starcke weihte als Vertreter der Stadt Bonn den neuen Kunstrasenplatz an der Hohe Straße feierlich ein. Neben den beiden Grundschulen - Paulusschule und Elsa-Brandström-Schule - wird der Sportplatz vom MSV Bonn und Verein Türkischer Arbeitnehmer (VTA) im Spielbetrieb genutzt.
Das Eröffnungsspiel bestritt eine Auswahl der beiden Schulen gegen eine Jugendmannschaft des MSV Bonn. Als Schiedsrichter stellte sich der ehemalige Paulusschüler und heutige CDU Bezirksvorsitzende Pierre Becker zur Verfügung.

 

1998

 

 

 

1995/1996

 

 

1988

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 


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